Kumulieren und Panaschieren
Listenkreuze deutlich favorisiert
Bei der Stadtverordnetenwahl 2026 gaben die Frankfurter Wählerinnen und Wähler insgesamt 22,3 Millionen gültige Stimmen auf 246.256 Stimmzetteln ab.
Bei einer höheren Wahlbeteiligung (+4,5 %-Punkte) und einer höheren Anzahl von Wählerinnen und Wählern (+23.687) wurden im Vergleich zu 2021 anteilig deutlich mehr Stimmen auf unveränderten Stimmzetteln (+9,3 %-Punkte) abgegeben als auf veränderten (-9,3 %-Punkte).
71,7 Prozent der Stimmen stammten von Stimmzetteln mit nur einem Listenkreuz. Damit kamen fast drei Viertel der Stimmen von Wählerinnen und Wählern, die keine Änderung am Stimmzettel vornahmen. Dies war 9,3 Prozentpunkte mehr als noch vor fünf Jahren und der höchste Anteil seit der Einführung von Kumulieren und Panaschieren 2001.
Stimmenanteile
Gründe für geändertes Wahlverhalten sind nicht eindeutig zu benennen
Die Gründe für die beträchtliche Zunahme sind vielschichtig und lassen sich nicht abschließen klären. Die Zufriedenheit mit den aufgestellten Listen und parteienspezifisches Wahlverhalten kommen genauso in Betracht wie die Größe des Stimmzettels. Das außergewöhnliche Format rief medial besondere Aufmerksamkeit hervor und ließ ein Listenkreuz dadurch vielleicht einfacher erscheinen. Auch könnte die fehlende gesetzliche Verpflichtung, im Vorfeld einen Musterstimmzettel zu versenden, zum veränderten Wahlverhalten beigetragen haben.
Weniger veränderte Stimmzettel
9,9 Prozent der Stimmen kamen von Stimmzetteln, in denen innerhalb einer Liste Veränderungen vorgenommen wurden. Parteinahe Wählerinnen und Wähler beabsichtigen dadurch Änderungen bei der Platzierung innerhalb des Parteivorschlags. Dieser Anteil veränderte sich im Vergleich zur vergangenen Stadtverordnetenwahl kaum (+0,4 %-Punkte).
Dagegen reduzierte sich der Anteil der panaschierten Stimmen sichtbar auf 18,4 Prozent (-9,6 %-Punkte). Offenbar hatten die Wählerinnen und Wähler weniger Gründe, ihre Stimmen zwischen den einzelnen Listen zu verteilen.
Deutliche Unterschiede zwischen den Listen
Bei der Herkunft der Stimmen gab es zwischen den einzelnen Listen teilweise deutliche Unterschiede.
CDU
Die Christdemokraten bekamen 75,9 Prozent ihrer Stimmen von unverändert abgegebenen Stimmzetteln. Dies war der zweithöchste Anteil nach der AfD. Damit standen deutlich mehr Wählerinnen und Wähler hinter der aufgestellten CDU-Liste als vor fünf Jahren (+8,7 %-Punkte).
Weitere 13,6 Prozent der Stimmen entfielen auf Stimmzettel, bei denen Wählerinnen und Wähler Änderungen an der Reihenfolge der Kandidatinnen und Kandidaten vornahmen. Dieser Anteil blieb gegenüber 2021 nahezu unverändert (-0,6 %-Punkte). 10,5 Prozent der Stimmen stammten aus panaschierten Stimmzetteln. Dies war nach der AfD der geringste Anteil bei dieser Wahl überhaupt.
AfD
Die AfD wurde wie bereits 2021 überwiegend mit Listenkreuz gewählt. 79,4 Prozent (-0,2 %-Punkte) ihrer Stimmen stammten aus unveränderten Stimmzetteln, der höchste Anteil, der bei dieser Stadtverordnetenwahl überhaupt erreicht wurde.
13,8 Prozent der Stimmen stammten aus Stimmzetteln mit Veränderungen innerhalb des Wahlvorschlages. Dies war unter den größeren Parteien mit mehr als einer Million Stimmen der höchste Anteil. 6,7 Prozent erhielt die AfD durch panaschierte Stimmen, also von Wählenden, die ihre Stimmen auf mehrere Parteien aufsplitteten.
SPD
Die Sozialdemokraten erhielten mit 72,1 Prozent deutlich mehr Stimmen (+11,1 %-Punkte) über ein Listenkreuz als bei der vergangenen Stadtverordnetenwahl. Nur bei Volt veränderte sich das Wählerverhalten unter den größeren Parteien an diesem Punkt noch deutlicher (+11,9 %-Punkte).
Dagegen ging der Anteil an panaschierten Stimmen bei der SPD um neun Prozentpunkte auf 16,2 Prozent zurück. 11,6 Prozent der Stimmen stammten aus Stimmzetteln, deren Liste verändert wurde (-2,2 %-Punkte).
GRÜNE
Obwohl deren Stimmenanteil insgesamt merklich sank, gaben auch GRÜNE-Wählerinnen und -Wähler mit 72,2 Prozent deutlich mehr Stimmen über das Listenkreuz ab als noch 2021 (+7,3 %-Punkte).
Unter den größeren Parteien hatten die Grünen mit 22 Prozent nach Volt (27,2 %) und Die Linke (23,0 %) den höchsten Anteil an panaschierten Stimmen. Ein gutes Fünftel der Stimmen der Grünen stammten damit von Wählenden, die ihre Stimmen über mehrere Listen verteilten. Dieser Anteil ging um 6,6 Prozentpunkte zurück. Der geringste Anteil der Stimmen kamen mit nur 5,8 Prozent aus Listenveränderungen. Er blieb konstant (-0,7 %-Punkte).
Stimmenanteile von unveränderten und veränderten Stimmzetteln
Stimmen aus unveränderten und veränderten Stimmzetteln
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Die Linke
Die Wählerinnen und Wähler der Linken verhielten sich hier ähnlich der GRÜNE-Wählenden, auch wenn Die Linke deutlich weniger Stimmen erhielt (-2,6 Mio.).
Der Anteil der Stimmen über ein Listenkreuz lag annährend bei 70 Prozent (69,9 %). Er erhöhte sich im Vergleich zu 2021 um 9,9 Prozentpunkte. 23 Prozent der Stimmen stammten aus panaschierten Stimmzetteln. Der Anteil an veränderten Listenstimmen stieg leicht auf 7,1 Prozent (+1,9 %-Punkte).
Volt
Am deutlichsten fielen die Veränderungen bei Volt aus. Die Partei trat zum zweiten Mal bei einer Kommunalwahl in Frankfurt an. Im Vergleich zu 2021 stammten nun mit 69,7 Prozent merklich mehr Stimmen (+11,9 %-Punkte) aus unveränderten Stimmzetteln.
Gleichzeitig kamen nur 3,1 Prozent der Stimmen aus Stimmzetteln, deren Liste verändert wurde. Keine andere der größeren Parteien hatte so einen geringen Wert. Die Wählenden waren offensichtlich mit der Aufstellung zufrieden. Mehr als ein Viertel der Stimmen (27,2 %) kam wiederum aus panaschierten Stimmenzetteln. Auch dieser Anteil ging um 12,6 Prozentpunkte zurück, was in Verbindung mit einem höheren Anteil an unveränderten Stimmzetteln für eine stabile Wählerbasis spricht.
FDP
Die Freidemokraten, die insgesamt weniger Stimmen bekamen, wurden von ihren Anhängerinnen und Anhängern auch überwiegend mit einem Listenkreuz bedacht (73,1 %; -6,7 %-Punkte). Der Anteil an panaschierten Stimmen fiel augenfällig um 6,8 Prozentpunkte auf 18,3 Prozent.
Sonstige
Bei den kleineren Parteien unter einer Million Stimmen wiesen ELF (6,8 %), GUG (13,1 %), IBF (18,7 %) und PIRATEN (21,5 %) die geringsten Stimmenanteile von unveränderten Stimmzetteln auf. Im Gegenzug lag deren Anteil bei den panaschierten Stimmen weit über dem Frankfurter Durchschnitt (18,4 %). Fast vier Fünftel (von 79,0 % bis 79,6 %) der Stimmen kamen hier von Wählerinnen und Wählern, die mehr als einen Wahlvorschlag mit Stimmen bedacht haben. Die veränderten Listenstimmen lagen dementsprechend zwischen 1,7 Prozent und 14,2 Prozent.
Panaschierverflechtungen zwischen den Listen
Die hier analysierten Panaschierverflechtungen basieren auf Stimmzetteln, auf denen ein Wahlvorschlag angekreuzt wurde und zusätzlich Stimmen an Bewerberinnen und Bewerber anderer Wahlvorschläge vergeben wurden. Es handelt sich hierbei in der Regel um Wählerinnen und Wähler, die eine Stammpartei bevorzugen und gleichzeitig Kandidatinnen und Kandidaten anderer Parteien und Wählergruppen unterstützen wollen.
Es wurden 615.906 Stimmen auf diese Art vergeben. Dies entspricht einem Anteil von 2,8 Prozent aller abgegebenen Stimmen, was bei der Interpretation der Ergebnisse zu berücksichtigen ist. Im Vergleich zur Kommunalwahl vor fünf Jahren fiel der Anteil der so abgegebenen Stimmen um 1,5 Prozentpunkte. Wählerinnen und Wähler, die ohne Listenkreuz über verschiedene Wahlvorschläge ihre Stimmen abgegeben haben, blieben unberücksichtigt.
Panaschiergewinne und -verluste
Um sich ein Bild machen zu können, wer vom Wahlsystem des Panaschierens profitieren konnte, wurden die Panaschierbilanzen ausgewertet. Die Bilanzen weisen die Listen aus, die durch panaschierte Stimmen gewonnen (Panaschiergewinner) und welche Listen durch das Panaschieren verloren haben (Panaschierverlierer).
Panaschiergewinne und Panaschierverluste: Ergebnisse aus Stimmzetteln mit einem Listenkreuz
Deutliche Stimmengewinne über 10.000 Stimmen konnten SPD (48.723), VOLT (22.026), FDP (14.517) und ÖkoLinX (12.076) verzeichnen. Über 5.000 Stimmen bekamen Die PARTEI (9.723), DFRA (5.807), Tierschutzpartei (5.597) und MERA25 (5.065) hinzu. Diese Listen erhielten durch das Panaschieren mehr Stimmen als sie verloren haben. Alle anderen Listen konnten von den Stimmenbewegungen im Rahmen des Panaschierens nicht oder nur in geringerem Umfang profitieren.
Die höchsten absoluten Stimmenverluste über 10.000 Stimmen verzeichneten IBF (-41.590), ELF (-34.516), GRÜNE (-29.441) und Die Linke (-15.697), während über 5.000 Stimmen GUG (-9.483) und AfD (-6.862) verloren.
Anteile ergeben ein anderes Bild
Bei den Anteilen von Gewinnen und Verlusten an der Gesamtstimmenzahl der einzelnen Wahlvorschläge ergibt sich ein anderes Bild.
Beim Panaschieren gewannen mit über fünf Prozent der Stimmen ÖkoLinX (+7,5 %), MERA25 (+6,2 %) und Gartenpartei Ffm (+5,9 %). Dagegen zählen zu den größeren Panaschierverlierern GUG (-406,3 %), IBF (-19,6 %) und ELF (-16,6 %).
GUG verlor anteilig besonders viele Stimmen, da die Liste nur drei Kandidatinnen und Kandidaten aufstellte. Bei einem Listenkreuz konnte die Partei maximal neun Stimmen erhalten, die Mehrheit der Stimmen (84 Stimmen oder mehr) konnte damit an andere Listen vergeben werden.
Panaschierverflechtungen zwischen den Listen
Bei der Betrachtung der Panaschierverflechtungen ist zu berücksichtigen, dass nur 2,8 Prozent aller Stimmen so vergeben wurden.
Die meisten Stimmen verteilten die Wählerinnen und Wähler von GRÜNE (151.618), Die Linke (75.176), SPD (74.121), CDU (68.469), Volt (47.731) und IBF (47.527) an andere Wahlvorschläge.
Umgekehrt erhielten die meisten panaschierten Stimmen die Bewerberinnen und Bewerber von SPD (122.844), GRÜNE (122.177), VOLT (69.757), CDU (67.703), Die Linke (59.479) und FDP (34.879).
Panaschierte Stimmen aus Stimmzetteln mit einem Listenkreuz
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Herkunft der Stimmen für die neu gewählten Stadtverordneten
Verschiedenste Kriterien nehmen Einfluss, ob Bewerberinnen und Bewerber ins Stadtparlament gewählt werden oder nicht. Hierzu zählen u. a. politische Erfahrung, bürgerliches Engagement und Sachkompetenz, genauso Bekanntheitsgrad und Ausstrahlung. Indikator für gezielte Personenwahlen sind die Anteile der veränderten Stimmzettel.
Da häufig jede Listenkandidatin und jeder Listenkandidat über die unverändert abgegebenen Stimmzettel die gleiche Stimmenzahl erhält, entscheiden die panaschierten und kumulierten Stimmen in den verändert abgegebenen Stimmzetteln über die Gesamtstimmenzahl jedes einzelnen Kandidaten und jeder einzelnen Kandidatin und damit über die endgültige Listenplatzierung. Unter ihnen haben die Fremdlisten eine besondere Bedeutung, da sie zeigen, ob Bewerberinnen und Bewerber auch von Anhängerinnen und Anhängern anderer Wahlvorschläge gewählt wurden.
Stimmen der Stadtverordneten überwiegend aus unveränderten Stimmzetteln
Beim größten Teil der künftigen Stadtverordneten stammten etwa die Hälfte bis zu drei Viertel der erzielten Stimmen aus unveränderten Stimmzetteln. Als einziger Partei mit mehr als einem Sitz lagen alle Stadtverordneten der FDP unter 50 Prozent. Die geringsten Werte wiesen Luigi Brillante von ELF (5,5 %), Jumas Medoff von IBF (13,6 %) und Jutta Ditfurth von ÖkoLinX (18,5 %) auf. Sie profitierten auch am meisten von den Stimmen, die aus veränderten Stimmzetteln kamen und hier vor allem aus Fremdlisten.
Stimmen für die gewählten Stadtverordneten
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Die erfolgreichsten Listenplatzveränderungen
Werden die Ergebnisse der einzelnen Bewerberinnen und Bewerber betrachtet, dann verändern das Kumulieren und Panaschieren, aber auch Streichungen bei den einzelnen Parteien und Wählergruppen die Abfolge der Kandidatinnen und Kandidaten. Auch bei dieser Stadtverordnetenwahl wurden die Bewerberinnen und Bewerber, die von den Parteien auf den vorderen Plätzen gelistet wurden, weitestgehend bestätigt. Jedoch schnitten etliche Kandidatinnen und Kandidaten besser bzw. schlechter ab als die Listenposition, auf der sie aufgestellt wurden. Die Übersicht der erfolgreichsten Listenplatzverbesserungen enthält auch diesmal große Sprünge nach vorne.
Die fünf besten Listenplatzverbesserungen ohne Sitz
Auf Platz eins der Verbesserungen befindet sich Dr. Nargess Eskandari-Grünberg (GRÜNE), Bürgermeisterin und Dezernentin, die der Wille der Wählerinnen und Wähler gleich 41 Plätze nach oben schob. Mit 35 Listenplatzverbesserungen liegt Dr. Mukesh Gulati von FREIE WÄHLER dahinter. Danach folgt die BFF-Kandidatin Ana Oliveira Gonçalves Dos Santos, die 30 Plätze aufholte. Alle drei erhielten keinen Sitz in der Stadtverordnetenversammlung. Der Christdemokrat Avi Shefatja, der 25 Plätze aufholte, sicherte sich durch Kumulieren und Panaschieren einen Sitz in der Stadtverordnetenversammlung. Einen Sitz durch Listenplatzverbesserungen erhielten ebenso der Sozialdemokrat Mustapha Lamjahdi (+22) sowie die Sozialdemokratin Dijana Avdić (+18).
Listenplatzverbesserungen um mindestens 15 Positionen
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