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Ausgabe 03/2026

Kommunalpolitik vor der Wahl: ein Stimmungsbild aus der Stadt

Autor:in

Von: Christian Stein und Dr. Stefan R. Jung

Veröffentlichungsdatum

12.02.2026

Am 15. März sind die Frankfurterinnen und Frankfurter aufgerufen, bei den Kommunalwahlen die Stadtverordnetenversammlung, ihren Ortsbeirat oder die kommunale Ausländer- und Ausländerinnenvertretung zu wählen. Die Entscheidungen, die auf kommunaler Ebene getroffen werden, betreffen den Alltag in der Stadt unmittelbar: von Wohnen und Verkehr über Bildung und soziale Infrastruktur bis hin zur Stadtentwicklung.

Einen Blick darauf, wie präsent Kommunalpolitik im Alltag der Bevölkerung tatsächlich ist, ermöglichen die Ergebnisse der Umfrage „Leben in Frankfurt 2025”. Abgefragt wurden unter anderem das Interesse an der Kommunalpolitik in Frankfurt, genutzte Informationsquellen, aber auch wie sich die Bevölkerung auf ganz verschiedene Arten beteiligt und ob sie beabsichtigt, zu wählen. Der Erhebungszeitraum liegt bewusst vor Beginn eines intensiven Wahlkampfs – zu einem Zeitpunkt also, an dem kommunalpolitische Themen noch nicht durch Plakate, Veranstaltungen oder mediale Zuspitzung verstärkt ins öffentliche Bewusstsein gerückt waren. Die Ergebnisse liefern damit eine nüchterne Bestandsaufnahme zum Ende der Wahlperiode: Wo steht Frankfurts Kommunalpolitik aus Sicht der Bevölkerung?

Die repräsentative Bevölkerungsumfrage „Leben in Frankfurt” wurde 2025 bereits zum 32. Mal durchgeführt. Im Vorfeld der Kommunalwahlen 2026 widmete sich ein Schwerpunkt der Umfrage dem Thema Kommunalpolitik. Die Umfrage erfolgte als Kombination aus Online- und Papierfragebogen. Grundgesamtheit sind alle in Frankfurt am Main mit Hauptwohnsitz gemeldeten Bürgerinnen und Bürger im Alter zwischen 18 und 79 Jahren. Die berechnete Gesamtstichprobe umfasste 27.456 Personen, die ab dem 8. Mai 2025 postalisch zur Teilnahme eingeladen wurden. Nach einer Felddauer von gut 16 Wochen wurde die Umfrage am 31. August 2025 abgeschlossen. Insgesamt nahmen 8.185 Personen teil, was einer Rücklaufquote von 31,7 Prozent entspricht. Die ausführlichen Ergebnisse der Umfrage, einschließlich detaillierter methodischer Erläuterungen, werden Ende April 2026 veröffentlicht.

Grundsätzlich breites politisches Interesse

Das allgemeine politische Interesse in der Frankfurter Bevölkerung ist ausgeprägt: Eine klare Mehrheit von 57 Prozent gibt an, sich sehr oder eher für Politik im Allgemeinen zu interessieren. Weitere 26 Prozent zeigen zumindest teilweises Interesse. Nur eine vergleichsweise kleine Minderheit von zusammen 18 Prozent interessiert sich kaum oder überhaupt nicht für Politik. Politik ist damit für viele Menschen präsent – sie wird wahrgenommen, ihr Handeln wird verfolgt und somit als relevant empfunden.

Wie stark interessieren Sie sich für Politik im Allgemeinen?

Quelle: Umfrage „Leben in Frankfurt 2025”

Kommunalpolitik weniger im Fokus

Deutlich verhaltener fällt das Interesse der Bevölkerung an der Kommunalpolitik in Frankfurt aus. Hier interessiert sich nur ein gutes Drittel (36 %) sehr oder eher – eine Differenz von mehr als 20 Prozentpunkten im Vergleich zum allgemeinen politischen Interesse. Stattdessen rückt eine große Gruppe in die Mitte: Mit 37 Prozent interessiert sich mehr als ein weiteres Drittel der Bevölkerung teilweise für die Frankfurter Kommunalpolitik. Gleichzeitig gibt es einen hohen Anteil von Desinteressierten: 28 Prozent bekunden kaum oder überhaupt kein Interesse. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Kommunalpolitik zwar nicht grundsätzlich abgelehnt wird, für viele aber weniger greifbar oder relevant erscheint, als Politik im Allgemeinen – trotz ihrer unmittelbaren Auswirkungen auf den Alltag vor Ort.

Und wie stark interessieren Sie sich speziell für die Kommunalpolitik hier in Frankfurt?

Quelle: Umfrage „Leben in Frankfurt 2025”

Informationsverhalten digital dominiert – Kommunalpolitik findet vor allem online statt

Am häufigsten informieren sich die Frankfurterinnen und Frankfurter zu kommunalpolitischen Themen über Internetseiten oder Smartphone-Apps. Ein Drittel (33 %) tut dies täglich, weitere 24 Prozent mehrmals pro Woche. Damit ist der digitale Raum der mit Abstand wichtigste Zugang zu Informationen aus und über Kommunalpolitik. Gleichzeitig zeigt sich aber auch eine gewisse Spreizung: Gut ein Viertel (26 %) nutzt Online-Angebote nur selten oder nie. Digitale Informationsangebote erreichen also viele – aber längst nicht alle.

Wie häufig informieren Sie sich speziell über kommunalpolitische Themen aus folgenden Quellen?

Sortiert nach der Summe aus täglich und mehrmals pro Woche.

Quelle: Umfrage „Leben in Frankfurt 2025”

Gespräche sind wichtig – aber eher unregelmäßig

Der persönliche Austausch mit Familie, Freunden oder Nachbarn spielt eine relevante Rolle, allerdings weniger kontinuierlich. Nur 14 Prozent sprechen täglich über kommunalpolitische Themen, mehr als ein Viertel (27 %) tut dies aber mehrmals pro Woche. Die größte Gruppe verortet sich in der Mitte: Jeweils gut ein Viertel gibt an, sich mehrmals im Monat (27 %) oder seltener (26 %) auszutauschen. Die allerwenigsten (6 %) sprechen nie mit ihrem sozialen Umfeld über Kommunalpolitik. Sie ist damit durchaus Gesprächsstoff und ein immer wieder präsentes Thema im Alltag.

Klassische Medien mit vergleichsweise geringer Reichweite

Radio, Podcasts und Fernsehen werden deutlich unregelmäßiger genutzt. Zwar informieren sich jeweils zwischen 18 und 20 Prozent täglich oder mehrmals pro Woche über diese Kanäle, zugleich gibt knapp ein Viertel an, diese Medien nie zur kommunalpolitischen Information zu nutzen. Vergleichsweise schwach fällt die Nutzung von Tageszeitungen aus: Mehr als ein Drittel (34 %) informiert sich nie über Print- oder E-Paper-Angebote zu kommunalpolitischen Themen, ein gutes Viertel (26 %) tut dies mindestens mehrmals in der Woche. Insgesamt zeigt sich: Klassische Medien erreichen nur noch einen Teil der Bevölkerung – die kommunalpolitische Öffentlichkeit verlagert sich zunehmend ins Digitale und findet Raum in persönlichen Gesprächen.

Viel genutzt, wenig politisch? Kommunalpolitik in sozialen Medien

Die starke Nutzung von Internetseiten und Apps zeigt, dass sich kommunalpolitische Information zunehmend digital vollzieht. Doch ein online-dominiertes Informationsverhalten muss nicht gleichbedeutend sein mit der starken Nutzung sozialer Medien. Um besser zu verstehen, welche Rolle soziale Medien als Informationsquellen zu Kommunalpolitik tatsächlich spielen, wurde in der Umfrage „Leben in Frankfurt 2025” differenziert erhoben, wie häufig sich die Frankfurterinnen und Frankfurter dazu auf einzelnen Plattformen informieren. Für die Analyse wurde zusätzlich gebündelt, wie häufig dies insgesamt, alle sozialen Medien zusammengenommen erfolgt.

Soziale Medien: relevant, aber keine Massenmedien für Kommunalpolitik

In der Gesamtbetrachtung zeigt sich: Soziale Medien insgesamt sind für einen Teil der Bevölkerung ein wichtiger Informationskanal, erreichen aber keineswegs alle. 43 Prozent informieren sich täglich oder mehrmals pro Woche über kommunalpolitische Themen auf sozialen Plattformen. Gleichzeitig nutzt fast ein Viertel (23 %) soziale Medien nie für diesen Zweck, weitere 19 Prozent nur selten. Kommunalpolitik ist in sozialen Netzwerken also präsent – sie bleibt dort jedoch für die Mehrheit ein gelegentlich wahrgenommenes Angebot.

Wie häufig informieren Sie sich speziell über kommunalpolitische Themen in den folgenden sozialen Medien?

Sortiert nach der Summe aus täglich und mehrmals pro Woche.

Quelle: Umfrage „Leben in Frankfurt 2025”

Große Plattformen, begrenzte Reichweite

Ein Blick auf die einzelnen Netzwerke verdeutlicht die Unterschiede: Instagram und YouTube sind die wichtigsten Plattformen für kommunalpolitische Inhalte. Auch sie erreichen aber jeweils nur Minderheiten regelmäßig. Rund ein Fünftel (23 % bei Instagram und 19 % bei YouTube) informiert sich hier täglich oder mehrmals pro Woche. Gleichzeitig nutzt mehr als die Hälfte der Frankfurterinnen und Frankfurter diese Plattformen nie für kommunalpolitische Informationen. Besonders deutlich ist diese Diskrepanz bei den Plattformen TikTok und X: Trotz ihrer öffentlichen Wahrnehmung spielen sie für die kommunalpolitische Information der breiten Bevölkerung kaum eine Rolle – 80 (TikTok) beziehungsweise 86 Prozent (X) nutzen sie nie zu diesem Zweck.

Fragmentierte Öffentlichkeit statt breiter Ansprache

Die Ergebnisse zeigen insgesamt eine stark fragmentierte kommunalpolitische Öffentlichkeit in sozialen Medien. Einzelne Plattformen erreichen jeweils kleinere Gruppen, eine breite, flächendeckende Informationswirkung entfalten sie für sich genommen jedoch nicht. Für die kommunalpolitische Kommunikation bedeutet das: Soziale Medien sind wichtig – aber vor allem als ergänzende Kanäle, nicht als alleinige Trägerinnen politischer Information.

Stadtpolitik bekannt – Details bleiben oft unklar

Die Ergebnisse der Umfrage zeichnen auch ein differenziertes Bild der kommunalpolitischen Informiertheit in Frankfurt – und machen deutlich, dass sich Wissen über politische Inhalte und Wissen über politische Prozesse klar voneinander unterscheiden. Am ehesten fühlt sich die Bevölkerung noch über das allgemeine politische Geschehen in der Stadt informiert. 29 Prozent geben an, dass die Aussage „Ich bin gut darüber informiert, was politisch bei uns in Frankfurt passiert” sehr oder eher zutreffend ist. Dem steht ein gleich großer Anteil gegenüber, der diese Einschätzung eher oder sehr unzutreffend findet. Mehr als vier von zehn Bürgerinnen und Bürgern fühlen sich damit nur teilweise über die Stadtpolitik informiert.

Inwieweit treffen folgende Aussagen auf Sie persönlich zu?

Quelle: Umfrage „Leben in Frankfurt 2025”

Themen in Ortsbeiräten für viele eine Blackbox

Deutlich geringer ist die Informiertheit, sobald es um die kleinste Ebene der politischen Selbstverwaltung vor Ort geht. Nur 14 Prozent wissen über die wichtigsten Themen Bescheid, mit denen sich ihr Ortsbeirat derzeit beschäftigt. Auf eine klare Mehrheit von 56 Prozent trifft das nicht zu. Während das politische Geschehen auf gesamtstädtischer Ebene zumindest teilweise präsent ist, bleiben die in den Ortsbeiräten verhandelten Themen – und damit ein zentrales Gremium kommunaler Mitwirkung – für viele Frankfurterinnen und Frankfurter weitgehend unsichtbar.

Entscheidungsprozesse nur für wenige nachvollziehbar

Zurückhaltend fallen auch die Einschätzungen aus, wenn es um das Zustandekommen politischer Entscheidungen geht. Gut ein Viertel (26 %) weiß, wie politische Entscheidungen in Frankfurt herbeigeführt werden. Dem steht eine Mehrheit gegenüber, die dieses Wissen für sich verneint (41 %). Kommunalpolitik wird damit eher über ihre Ergebnisse wahrgenommen, die Wege dorthin vollzieht jedoch ein großer Teil der Bevölkerung nicht nach.

Wege zur Beteiligung oft unbekannt

Diese Einschätzung setzt sich bei den Möglichkeiten politischer Beteiligung gewissermaßen fort. 37 Prozent ist weitgehend unbekannt, welche Beteiligungsmöglichkeiten es für Bürgerinnen und Bürger in Frankfurt gibt. Zwar widersprechen 31 Prozent dieser Aussage, insgesamt überwiegt jedoch das Gefühl mangelnder Orientierung. Zusammengenommen zeigen die Ergebnisse: Kommunalpolitik ist präsent, doch das Wissen über konkrete Zuständigkeiten, Entscheidungswege und Beteiligungsoptionen ist begrenzt – eine zentrale Herausforderung für Transparenz und demokratische Teilhabe auf kommunaler Ebene.

Nur eine Minderheit beteiligt sich aktiv zwischen den Wahlen

Angesichts der Unkenntnis oder Unsicherheit bei einem großen Teil der Bevölkerung, wie man sich neben den Wahlen politisch beteiligen kann, ist es nicht überraschend, dass der Großteil der Frankfurterinnen und Frankfurter solche Beteiligungsmöglichkeiten nicht wahrnimmt. Beteiligungsformen, die nicht direkt mit politischen Parteien zu tun haben, spielen eine noch vergleichsweise größere Rolle. Immerhin 28 Prozent geben an, sich in den letzten zwölf Monaten in einer Bürgerinitiative engagiert zu haben. Ein Fünftel hat mindestens einmal in den letzten zwölf Monaten eine Online-Bürgerbeteiligungsplattform wie zum Beispiel die städtische Plattform „Frankfurt fragt mich” (ffm.de) genutzt, um sich zu beteiligen.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, mit denen man versuchen kann, etwas in Frankfurt zu verändern. Haben Sie im Verlauf der letzten 12 Monate …

Quelle: Umfrage „Leben in Frankfurt 2025”

Dagegen haben nur 14 Prozent in den letzten zwölf Monaten Politikerinnen und Politiker vor Ort kontaktiert und lediglich neun Prozent haben in diesem Zeitraum eine Ortsbeiratssitzung besucht. Mehrfach hat dies nur eine kleine Minderheit von zwei Prozent getan.

Da politische Beteiligung sehr vielfältig ist, engagiert sich vermutlich insgesamt ein größerer Anteil der Bürgerinnen und Bürger als der, der auf die hier abgefragten Beteiligungsmöglichkeiten entfällt. Die Ergebnisse legen trotzdem nahe, dass für einen Großteil der Menschen in Frankfurt die Stimmabgabe bei Wahlen die einzige aktive politische Beteiligung ist.

Kommunalpolitik ist Frankfurterinnen und Frankfurtern wichtig

Wer im Römer den Ton angibt und welche Entscheidungen getroffen werden, ist für die meisten Frankfurterinnen und Frankfurter wichtig. 61 Prozent finden, dass es einen Unterschied macht, welche Parteien in Frankfurt das Sagen haben. Nur 14 Prozent sehen keinen Unterschied. Was die Stadtverordneten beschließen, ist für 63 Prozent relevant. Lediglich elf Prozent glauben, dass die Entscheidungen der Stadtverordneten für sie keine Rolle spielen.

Inwieweit treffen folgende Aussagen auf Sie persönlich zu?

Quelle: Umfrage „Leben in Frankfurt 2025”

Schon mal anders gewählt? Ja, bei den Kommunalwahlen!

Die Positionen der Frankfurter Parteien sind längst nicht allen Bürgerinnen und Bürgern klar. Zwar wissen 45 Prozent, wofür die Parteien in Frankfurt stehen. Mit 22 Prozent ist dies aber mehr als einem Fünftel der Menschen nicht klar. Daraus folgt jedoch nicht, dass ein Großteil seine Kreuze bei den Kommunalwahlen für die selben Parteien macht wie bei Bundestags- und Landtagswahlen. Bei einem Drittel stimmen die gewählten Parteien für Kommunalwahlen und andere Wahlen nur teilweise überein und 30 Prozent wählen bei den Kommunalwahlen andere Parteien als bei anderen Wahlen. Dies mag auch daran liegen, dass bei den Kommunalwahlen keine Sperrklausel existiert und somit die Wählerinnen und Wähler ihre Stimme auch für kleinere Parteien mit realistischen Chancen auf Sitze in der Stadtverordnetenversammlung abgeben können.

Mehrheit mit fester Wahlabsicht

Eine klare Mehrheit von 59 Prozent plant bei den Kommunalwahlen am 15. März ihre Stimme abzugeben. Zusammen mit den sieben Prozent, die wahrscheinlich wählen werden, beabsichtigen rund zwei Drittel ein oder mehrere Kreuzchen zu machen. Angesichts der Tatsache, dass zur Zeit der Umfrage der Kommunalwahlkampf noch nicht angelaufen war, wären dies im Vergleich zur Wahlbeteiligung bei vergangenen Kommunalwahlen in Frankfurt recht hohe Werte. Die tatsächliche Wahlbeteiligung fällt vermutlich geringer aus, denn bei der Kommunalwahl 2021 nahmen trotz einer deutlichen Steigerung um 6,1 Prozentpunkte gegenüber der Kommunalwahl 2021 nur 45,1 Prozent teil.1 Der Unterschied zwischen Wahlabsicht und tatsächlicher Wahlbeteiligung ergibt sich erstens aus unvorhergesehenen Ereignissen am Wahltag, die verhindern, dass das Menschen wählen können oder wollen. Zweitens geben manche Befragte bei der Frage nach ihrer Wahlabsicht aufgrund der sozialen Erwünschtheit der Wahlbeteiligung an, wählen zu wollen, obwohl sie es nicht planen.2 Drittens nehmen Nichtwählerinnen und -wähler seltener an Umfragen teil als Wählerinnen und Wähler, wodurch deren Zahl überschätzt wird.

Diese Phänomene zeigen sich auch bei der selbstberichteten Wahlbeteiligung. So geben 58 Prozent an, bei den letzten Kommunalwahlen im Jahr 2021 gewählt zu haben. Dies entspricht einer Abweichung von der tatsächlichen Wahlbeteiligung von rund 13 Prozentpunkten.

Absicht, zu wählen im Stadtgebiet sehr unterschiedlich

Auch wenn sich die berichtete Wahlabsicht nicht direkt als Vorhersage der Wahlbeteiligung eignet, gibt es Unterschiede in der Stärke der Wahlabsicht zwischen den Umfragebezirken, die weitestgehend mit den Unterschieden in der Wahlbeteiligung bei den vergangenen Wahlen übereinstimmen.3

Um statistisch repräsentative Aussage auf kleinräumiger Ebene innerhalb Frankfurts machen zu können, wurden für die Umfrage „Leben in Frankfurt” Umfragebezirke definiert. Die Ortsbezirke 1 bis 10 und 12 wurden als Umfragebezirke übernommen. Aufgrund ihrer geringen Bevölkerung wurden die Ortsbezirke 13, 14 und 15 zum Umfragebezirk Nord und die Ortsbezirke 11 und 16 zum Umfragebezirk Ost zusammengefasst.

Feste Wahlabsicht im Nordend am höchsten

Der größte Anteil an Frankfurterinnen und Frankfurtern, die bestimmt wählen wollen, lebt im Nordend (Umfragebezirk Innenstadt III). Mit 71 Prozent liegt der Anteil der fest zur Wahl entschlossenen Bürgerinnen und Bürger rund elf Prozentpunkte über dem gesamtstädtischen Durchschnitt. Weniger als ein Prozent gibt hier an, wahrscheinlich oder bestimmt nicht wählen zu wollen. Ebenfalls hohe Anteile überzeugter Wählerinnen und Wähler gibt es in den Umfragebezirken Nord (Harheim, Nieder-Erlenbach, Nieder-Eschbach) mit 66 Prozent und Kalbach/Riedberg sowie Mitte-Nord (Dornbusch, Eschersheim, Ginnheim) mit je 65 Prozent.

Wahlabsicht nach Umfragebezirken

Quelle: Umfrage „Leben in Frankfurt 2025”

Den geringsten Anteil, der bestimmt wählen will, gibt es im Umfragebezirk Mitte-West (Teil von Bockenheim, Hausen, Praunheim, Rödelheim) sowie Innenstadt I (Altstadt, Innenstadt, Bahnhofsviertel, Gutleutviertel, Gallus). Nur je 53 Prozent planen dort fest, zu wählen. Relativ wenige Menschen, die bestimmt wählen wollen, leben mit 54 Prozent auch im Umfragebezirk West (Höchst, Griesheim, Nied, Schwanheim, Sindlingen, Sossenheim, Unterliederbach, Zeilsheim). Hier wollen zudem rund vier Prozent wahrscheinlich oder bestimmt nicht an der Kommunalwahl teilnehmen – der höchste Wert aller Umfragebezirke. In Mitte-West geben dies nur 2 Prozent der Bürgerinnen und Bürger an. Im Verhältnis zu anderen Umfragebezirken gehen hier viele davon aus, dass sie nicht wahlberechtigt sind (14 %) oder machen keine Angabe (12 %).

Wählen ist Gewohnheitssache

Wer einmal wählt, tut dies mit hoher Wahrscheinlichkeit wieder.4 Von den selbstberichteten Wählerinnen und Wählern bei den letzten Kommunalwahlen sagt eine überragende Mehrheit von 98 Prozent, dass sie voraussichtlich bei den kommenden Kommunalwahlen ebenfalls wählen werden. Nur ein verschwindend geringer Anteil von ihnen will seine Stimme (eher) nicht abgeben. Ganz anders sieht es bei den restlichen 16 Prozent aus, die berichten, bei den vorigen Kommunalwahlen nicht an die Urnen gegangen zu sein. Den meisten davon ist noch unklar, ob sie wählen wollen oder sie meinen nicht wahlberechtigt zu sein (zusammen 47 %). Ein gutes Drittel will eher wählen. 18 Prozent derjenigen, die nach eigener Auskunft bei den Kommunalwahlen 2021 nicht gewählt haben, wollen dies auch 2026 nicht tun.

Wahlabsicht 2026 nach selbstberichteter Wahlbeteiligung 2021

Quelle: Umfrage „Leben in Frankfurt 2025”

Die Ergebnisse der Umfrage „Leben in Frankfurt 2025” zeigen, dass die Frankfurterinnen und Frankfurter Kommunalpolitik als wichtig erachten, was sich auch im hohen Anteil derjenigen äußert, die zur Wahl gehen wollen. Das Interesse an der Kommunalpolitik fällt gleichwohl geringer aus als an Politik im Allgemeinen. Sowohl das selbsteingeschätzte Wissen über Kommunalpolitik als auch die politische Beteiligung neben den Wahlen ist gering.

Fußnoten

  1. GUTFLEISCH, Ralf und Anke JESCHKE, 2021. Stadtverordnetenwahl. In: STADT FRANKFURT AM MAIN, 2021. Kommunalwahlen 2021 in Frankfurt am Main. Frankfurt am Main: Bürgeramt, Statistik und Wahlen. Frankfurter Wahlanalysen. 71. S. 4↩︎

  2. Zu den Problemen der Überrepräsentation von Wählerinnen und Wählern und der Falschangaben aufgrund sozialer Erwünschtheit siehe zum Beispiel: SELB, Peter und Simon MUNZERT, 2013. Voter Overrepresentation, vote misreporting, and turnout bias in postelection surveys. In: Electoral Studies [online]. 32(1). S. 186-196. [Zugriff am: 14.01.2026]. Verfügbar unter: https://doi.org/10.1016/j.electstud.2012.11.004↩︎

  3. LEPPER, Timo und Christian STEIN, 2021. Ortsbeiratswahlen. In: STADT FRANKFURT AM MAIN, 2021. Kommunalwahlen 2021 in Frankfurt am Main. Frankfurt am Main: Bürgeramt, Statistik und Wahlen. Frankfurter Wahlanalysen. 71. S. 47-49↩︎

  4. ALDRICH, John H., Jacob M. MONTGOMERY und Wendy WOOD, 2011. Turnout as a habit. In: Political Behavior [online]. 33(4). S. 535–563. [Zugriff am: 14.01.2026]. Verfügbar unter: https://doi.org/10.1007/s11109-010-9148-3↩︎

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