Ausgabe 17/2025
Historisches Weihnachten, Weihnachtsmärkte, Bräuche und Traditionen bis hin zur Neuzeit
Haben Sie sich schon einmal gefragt, woher das Wort Weihnachten ursprünglich stammt? Die Wortsilbe „weih“ geht auf den germanischen Ursprung des Wortes „wiha“ zurück, was „heilig“ bedeutet. Weihnachten übersetzt heißt also „heilige Nacht“.
Weihnachtsbrauchtum im Wandel der Zeit
Die Entstehung der Adventsmärkte begann mit dem Jahr 1296: Wiener Händler erhielten von Herzog Albrecht I. von Österreich ein Privileg, das darin bestand, einen „Dezembermarkt“ zur Versorgung der Wiener Bevölkerung abzuhalten. Somit hatten die Wienerinnen und Wiener die Möglichkeit, sich mit Vorräten für die kalte Jahreszeit einzudecken.
So hielten Wintermärkte europaweit Einzug und als diese immer größere Ausmaße annahmen, begannen die Standbetreiber, weitere Produkte wie geröstete Nüsse und andere Leckereien sowie Holzschnitzereien, Spielzeug und Körbe anzubieten. Damit konnten sich die Besucherinnen und Besucher nicht nur mit Wintervorräten eindecken, sondern auch Weihnachtsgeschenke kaufen. Diese festlichen Weihnachtsgeschenke rückten nun immer mehr in den Vordergrund und so entstand im 15. Jahrhundert der uns heute allseits bekannte europäische Weihnachtsmarkt.
Ursprünglich kannte man z. B. in Birmingham keinen Weihnachtsmarkt nach europäischem Vorbild. Und so kam es, dass vor 25 Jahren die Tourismus+Congress GmbH (TCF) den ersten authentisch deutschen Weihnachtsmarkt in Frankfurts Partnerstadt schuf. Hier gab es nun u. a. Frankfurter Würstchen, Glühwein, Bratwürste, Krakauer und Schaumküsse – alles Dinge, die man in der zweitgrößten Stadt Großbritanniens bis dahin noch nicht kannte. So gelangte also ein kleines Stück weihnachtliches Frankfurt auf die Insel.
Weihnachtsmärkte in Frankfurt und Deutschland
Quelle: Weihnachtsmärkte Hessen.1
Brauch und Tradition von „Quetschemännche“
Einer der alten Bräuche, die es bis zu uns in die Neuzeit geschafft haben, sind die „Quetschemännche“, die man auch heute noch auf vielen Weihnachtsmärkten oder in lokalen Geschäften käuflich erwerben kann. „Quetsche“ ist das Frankfurter Wort für Zwetschge. Es handelt sich dabei um eine ca. 20 cm große Figur, die in liebevoller Handarbeit gestaltet wird: der Körper besteht aus Dörrpflaumen, der Kopf ist eine Walnuss. Sie sind eine typische Jahrhunderte alte Frankfurter Weihnachtsspezialität. Sie gehören zu Weihnachten – und insbesondere zu Frankfurt – wie kaltes Wetter, Schnee, Bethmännchen, Glühwein oder der Duft nach Zimt.
Aber auch in anderen Teilen Deutschlands sind die verdörrten Gesellen bekannt: so z. B. in Stuttgart als „Hutzelmännle“ und in Dresden als „Pflaumentoffel“. In Franken nennt man die Figuren „Zwetschgenmännla“, sie werden vor allem auf dem Nürnberger Christkindlesmarkt verkauft, ihre Arme bestehen aus Zwetschgen, der Körper hingegen aus Feigen. Woher die Männchen ursprünglich stammen, ist nicht genau bekannt. Sie tragen unterschiedliche Bekleidungsstücke wie z. B. Schürzen oder Jacken sowie Kopfbedeckungen und Accessoires, die aus dem alltäglichen Leben gegriffen sind. Früher waren beliebte Figuren oft Schornsteinfeger oder Ritter. Mittlerweile sind natürlich auch weibliche Ausführungen vertreten.
Im Frankfurt des 19. Jahrhunderts fungierten die „Quetschemännche“ daneben aber auch als Liebesboten: so entsendeten junge Männer ihrer Angebeteten ein Exemplar und warteten sehnsüchtig auf eine Antwort. Wurde das Männchen angenommen, bestand für den Glücklichen die Hoffnung darauf, dass seine Verehrung und Liebe erwidert wurde. Kam es jedoch postwendend zurück, kam dies einer Abfuhr gleich.
Ursprünglich wurden die schrumpeligen Gesellen an Nikolaus und Weihnachten als Naschwerk für Kinder verschenkt. Heute werden sie eher nicht mehr verspeist, sondern aufbewahrt. Trocken gelagert sind sie jahrelang haltbar.
Auch wenn in der heutigen Zeit das Brauchtum der „Quetschemännche“ leider mehr und mehr schwindet und in Vergessenheit gerät, liegt der Reiz darin, an eine Tradition anzuknüpfen und die Vielfältigkeit der Figuren und deren individueller Gestaltung der Künstlerinnen und Künstler zu würdigen.
Inspiriert durch die „Quetschemännche“ hat der Dichter Erich Fries (1924–2000) das Gedicht Die zwaa Unzertrennliche (e glaubhaft Adventsgeschichtche) von Erich Fries2 verfasst.
Bethmännchen vs. Brenten
Zu der besinnlichen und genussvollen Weihnachtszeit gehören für viele Menschen auch Frankfurter Bethmännchen oder Brenten. Beide ähneln sich aufgrund der Zutaten, sind aber dennoch völlig eigenständig. Während schon im Mittelalter die Frankfurter Brenten zahlreiche Liebhaber fanden und auch Goethe diese Spezialität sehr geschätzt haben soll, gibt es im Hinblick auf die Verarbeitung gravierende Unterschiede. Während die Brenten in Holzförmchen gedrückt werden, werden die Bethmännchen aus Marzipankugeln gefertigt, die ursprünglich mit vier Mandelhälften verziert wurden. Wer nun denkt die Mandeln sind ein Symbol für betende Hände – irrt.
Der Legende nach soll ein Pariser Konditor namens Jacques Gautenier, der Küchenchef der Bankiersfamilie Bethmann, im Jahr 1838 die Leckerei erfunden haben. Die vier Mandelhälften standen also sinnbildlich für die Söhne der Familie Bethmann. Als jedoch im Jahr 1845 Sohn Heinrich verstarb, wurde eine Mandelhälfte entfernt. Diese Tradition wird bis heute von den Konditoren fortgeführt.
In Europa bekannt wurden die Bethmännchen durch den Fürstentag, zu dem der österreichische Kaiser Franz Joseph I. im Jahr 1863 in Frankfurt am Main geladen hatte. Damals versammelten sich die Fürsten aller deutschen Länder, um über eine mögliche Reform des Deutschen Bundes zu beraten.
Naschereien in der Adventszeit
Wer weiß, ob der Weihnachtsmann auf seiner langen Reise um die Welt nicht einen ausgiebigen Zwischenstopp in Frankfurt einlegt, um sich an den vielfältigen Köstlichkeiten zu erfreuen.
Viele Menschen sind besonders in der kalten Jahreszeit dem Genuss von Süßigkeiten nicht abgeneigt und achten dann nicht ganz so streng auf die täglich empfohlene Kalorienzufuhr. Schätzungsweise nimmt man deshalb über die Feiertage 370 Gramm zu. Vielleicht wird in diesem Jahr der Anteil an diversen zuckrigen Lebensmitteln in Form von Schokoladen, Riegeln, Pralinen oder Keksen zurückgehen? In der Zeit von 2020 bis 2024 hat sich der Schokoladenpreis nämlich um 39,9 Prozent verteuert.
Ebenfalls sind die Erzeugerpreise von Zucker gestiegen. Sie waren im Jahr 2024 doppelt so hoch wie 2020 (+110,7 %). Für die obengenannten Bethmännchen und Brenten als auch für Lebkuchen und Plätzchen sowie für den Stollen wollen genug Mandeln verfügbar sein. Hauptimporteure sind im gleichen Jahr mit 57 Prozent größtenteils die USA (meist aus Kalifornien) und Spanien mit 26 Prozent. 95.500 Tonnen wurden 2024 in Deutschland eingeführt, im Vergleich zum Vorjahr 99.100 Tonnen.
Auch Haselnüsse gelten als wesentliche Zutat bei vielen Backideen. Hier kam der Hauptanteil im Jahr 2024 aus der Türkei (71 %), Italien (11 %) sowie den USA und Chile (je 5 %).
Hauptimporteure von Mandeln und Haselnüssen
in %
Quelle: Statistisches Bundesamt.
Wer auf dem Frankfurter Weihnachtsmarkt unterwegs ist, sollte sich auch die hessischen Klassiker der Heißgetränke nicht entgehen lassen. Dazu gehören natürlich heißer Apfelwein, Kirschglühwein sowie der traditionelle rote Glühwein. Im Vergleich zu anderen hessischen Großstädten wird in Frankfurt und Fulda in diesem Jahr der Glühwein für ca. 4,50 Euro angeboten. In Darmstadt hingegen ist der Preis am günstigsten und liegt bei ca. 3 Euro. Danach folgen Gießen und Wetzlar mit ca. 3,50 Euro. Kassel und Offenbach schließen sich mit 4 Euro pro Getränk an. Gemessen an anderen deutschen Großstädten wie z. B. Berlin, Hamburg, Köln und München ist glücklicherweise der in Frankfurt verkaufte Glühwein am preiswertesten.
Ein traditionelles Familiengericht, welches auch in Frankfurt gerne zu Heiligabend serviert wird, ist der typische Kartoffelsalat, zubereitet mit einer warmen, würzigen Vinaigrette bestehend aus Essig, Öl und Brühe. Zwiebeln und Speck werden ebenfalls gerne hinzugegeben. Dazu passen hervorragend Frankfurter Würstchen.
Die Kartoffelpflanzen mögen u. a. sonnige Standorte und tagsüber moderate Temperaturen um die 18 bis 20 Grad Celsius. Und genau diese Voraussetzungen waren es, die im Jahr 2025 einen Kartoffelüberschuss erzeugten. Die Preise liegen deshalb rund 40 Prozent unter dem Vorjahresniveau.
Kartoffelpreise
Quelle: Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen 2025.
Fußnoten
WINTERTRAUM GMBH & CO. KG, 2025.Weihnachtsmärkte in Hessen 2025. Köln: Wintertraum GmbH & Co. KG [Zugriff am: 04.12.2025]. Verfügbar unter: https://www.deutsche-weihnachtsmaerkte.de/weichnachtsmarkt/in/hessen↩︎
BREVOORD, Nicole, 2008. Frankfurter Weihnachtsspezialitäten, Teil 1. In: Journal Frankfurt, 2008. [Zugriff am: 04.12.2025] Verfügbar unter: https://www.journal-frankfurt.de/journal_news/Panorama-2/Frankfurter-Weihnachtsspezialitaeten-Teil-1-1995.html↩︎