Statistik.aktuell Logo

Ausgabe 16/2025

Zum Weltstatistiktag: 160 Jahre Frankfurter Kommunalstatistik

Autor:in

Von: Dr. Michael Wolfsteiner

Veröffentlichungsdatum

20.10.2025

Welches ist der bevölkerungsreichste Stadtteil Frankfurts? Wie viele Wohnungen gibt es und wie hoch ist die Zahl der Menschen, die jedes Jahr unsere Stadt besuchen? Ohne verlässliche Zahlen wäre die Steuerung einer Stadt wie Frankfurt eher ein Zufallsprodukt. Deshalb gibt es die Kommunalstatistik seit 160 Jahren und zum alle fünf Jahre zelebrierten Weltstatistiktag am 20. Oktober lohnt ein Blick auf ihre lange Tradition, aber auch auf ihre heutige Position in der Stadt sowie im System der amtlichen und staatlichen Statistik.

Von 1865 bis heute: die Stadt und ihre Statistikstelle

Der Senat der Freien Stadt Frankfurt erkannte bereits 1865, dass valide und von einer neutralen Stelle erhobene Zahlen eine wichtige Grundlage für die kommunale Selbstverwaltung darstellen, und gründete deshalb das Statistische Amt. Aus diesem Amt mit einem “Staatsdiener erster Klasse” – wie es im Protokoll des Senates der Freien Stadt Frankfurt heißt – als Vorsteher und zwei ihm “beigegebenen Gehülfen” hat sich bis heute eine Abteilung mit 26 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Bürgeramt, Statistik und Wahlen entwickelt.

Kamen 1865 auf 82.334 Einwohnerinnen und Einwohner drei Mitarbeitende, waren es Ende 2024 auf die 26 Mitarbeitenden 776.843 Menschen. Anders ausgedrückt: “Beobachtete” im Jahr 1865 ein Mitarbeiter 27.445 Frankfurterinnen und Frankfurter, so hat sich dieses Verhältnis bis 2024 mit 29.879 Menschen pro Statistikerin bzw. Statistiker nicht entscheidend geändert (+8,9 %).

Entwicklung des Stadtgebiets von 1865 bis heute

Anmerkung: Die Grenzen gelten zu dem Zeitpunkt, der in den Informationen zu den Gebieten angegeben ist. Gebietsänderungen innerhalb des Stadtgebiets (z.B. Verschiebung von Stadtbezirken zwischen Stadtteilen) sind nicht dargestellt.

Quelle: Bürgeramt, Statistik und Wahlen; Stadtvermessungsamt Frankfurt a. M. (laufend aktualisiert).

Quelle: Volkszählung 03.12.1864; Melderegister 31.12.2024.

Datenumfang hat erheblich zugenommen

In seiner ersten Veröffentlichung im Jahr 1868 hat das Statistische Amt lediglich über die Bevölkerung inklusive natürlicher Bevölkerungsbewegungen und Heiraten berichtet, weitere Datenbestände waren damals nicht erschlossen.1 Heute ist die Datengewinnung einfacher und die Statistikstelle bietet im STATISTIK.PORTAL über 1.000 Datensätze aus 17 Themenbereichen von Arbeitsmarkt über Klima bis Wirtschaft an. Geblieben ist das Thema Bevölkerung als tragende Säule, es wurde aber um die weiteren Säulen Bauen und Wohnen sowie Umfragen ergänzt.

Die Festlegung der ersten Veröffentlichung des Statistischen Amtes ist nicht ganz einfach zu treffen. Bereits vor der Gründung des Amtes gab die Statistische Abteilung des Frankfurter Vereins für Geographie und Statistik die “Beiträge zur Statistik der Stadt Frankfurt am Main” heraus. Mit Gründung des Amtes wurden diese Beiträge zum Teil durch das Statistische Amt bearbeitet. Als gesichert erste eigenständige Publikation des Amtes sind die genannten Beiträge zu betrachten.

Selbstverständnis bleibt, Dienstleistungsangebot verändert sich

Trotz aller Entwicklungen in inhaltlicher als auch in technischer Hinsicht sind in den mehr als eineinhalb Jahrhunderten die Aufgaben und das Ziel weitestgehend gleich geblieben: Daten, Informationen und Wissen über die Stadt kontinuierlich in einer hohen, wissenschaftlich fundierten Qualität zu sammeln und zur Verfügung zu stellen. Oder wie es der Amtsleiter Flaskämper bereits 19352 formulierte, “das statistische Gewissen und gleichzeitig die statistische Gutachterstelle der gesamten Stadtverwaltung” zu sein.3

Verändert hat sich dagegen das Dienstleistungsangebot. Immer bedeutender wird die Beratung und Unterstützung verschiedenster Dienststellen der Stadtverwaltung zu den Themen Datenmanagement und -visualisierung. Dabei übernimmt die Statistikstelle auch die Funktion einer Dienstleisterin und stellt zentrale Komponenten wie einen Metadatenkatalog, das Open-Data-Portal und einen Webapplikationsserver zur Verfügung.

Darüber hinaus hat sich ein Umfrageservice etabliert, der Bürgerinnen und Bürger einbindet und eine der städtischen Beteiligungsformen bildet. Neben der ureigenen, jährlichen Umfrage “Leben in Frankfurt” werden Umfragen für verschiedenste städtische Akteure erstellt und durchgeführt bzw. werden diese bei eigenen Umfrageprojekten beraten.

Innovationen gehören zum Tagesgeschäft

Egal ob Inhalte, Methoden oder Technik, die Frankfurter Statistik war immer auch ein Innovationsmotor. Das begann bereits mit der Gründung, denn das Frankfurter Amt war 1865 erst die zweite kommunale Einrichtung dieser Art in Deutschland (nach Berlin 1862). Bereits 1890 beschaffte der damalige Amtsleiter eine mechanische Rechenmaschine, um seine Mitarbeiter zu entlasten, und veröffentlichte 1895 eine zu dieser Zeit einzigartige kommunale Steuer- und Armutsstatistik.

Mit dem 1907 erstmals erschienenen Statistischen Handbuch der Stadt Frankfurt am Main startete die regelhafte Veröffentlichung von umfangreichen gedruckten Materialien. Das Handbuch erschien jährlich, wandelte sich später zum Statistischen Jahrbuch und wurde bis 2021 herausgegeben. Viele weitere Reihen mit unterschiedlichen Umfängen und Zielrichtungen entstanden, so die Frankfurt STATISTIK.AKTUELL, die Frankfurter Statistischen Berichte, die Materialien zur Stadtbeobachtung und die Frankfurter Wahlanalysen.

Seit 2011 setzt die Frankfurter Statistik stark auf digitale Datenbereitstellung, wobei zu Beginn gleich interaktive, kartenbasierte Dashboards angeboten wurden. Heute ist die Datenproduktion bis hin zur Veröffentlichung zu über 90 Prozent digital und das bereits genannte STATISTIK.PORTAL bildet das Herzstück der Datendistribution. Zusehends werden die gedruckten Publikationen durch digitale Angebote ersetzt und spätestens zum Ende des laufenden Jahrzehnts werden gedruckte Statistikprodukte vollständig der Vergangenheit angehören.

Das STATISTIK.PORTAL als zentrale Plattform der statistischen Distribution

Kleinräumigkeit ist Voraussetzung für die kommunale Planung und Steuerung

Von Beginn an war in der Frankfurter Kommunalstatistik klar, dass für eine gute Stadtsteuerung und Planung Daten auch für kleine, innerstädtische Raumeinheiten zur Verfügung stehen müssen. Deshalb war bereits in den ersten Veröffentlichungen die Ebene der Stadtbezirke ausgewiesen. Später wurde eine topologisch abhängige kleinräumige Gliederung entworfen, die bis heute – auch wenn natürlich fortgeschrieben – existiert und auf Baublöcken basiert. Darüber liegen Stadtbezirke, Stadtteile und Ortsbezirke.

Es sind zwar nicht alle, aber mit den Themen Bevölkerung sowie Bauen und Wohnen doch die wichtigsten Daten auf Ebene der Baublöcke verfügbar. Durch die räumlichen Abhängigkeiten lassen sich alle Daten in den nächsthöheren Einheiten aggregieren, so dass auch für Stadtbezirke, Stadtteile und Ortsbezirke Aussagen getroffen werden können.

Vor Ort aktiv und im weltweiten System eingebunden

Die föderale Struktur der Bundesrepublik Deutschland bringt es mit sich, dass die kommunalen Statistikstellen die kleinsten Einheiten des statistischen Systems in Deutschland sind. Auf Ebene der Länder und des Bundes gibt es übergreifende Institutionen, die in ihrem jeweiligen Zuständigkeitsbereich statistische Daten produzieren, sammeln und veröffentlichen. Für Frankfurt sind das Hessische Statistische Landesamt und das Statistische Bundesamt die nächst höheren Ebenen.

Allerdings sind die Statistischen Ämter des Bundes und der Länder häufig auf die Datengewinnung in und die Datenlieferung aus den Kommunen angewiesen. So wäre eine bundesweite Bevölkerungsstatistik ohne die kommunalen Melderegister undenkbar und die Zahlen zur Bautätigkeit werden ebenfalls in den Kommunen erzeugt. Somit ist die amtliche Statistik ohne die Kommunen nicht möglich.

Aber weshalb eine kommunale Statistikstelle, wenn es doch übergeordnete Einheiten gibt? Die Statistischen Ämter des Bundes und der Länder können keine kleinräumigen Daten z. B. auf Ebene der Stadtbezirke bereitstellen. Aber genau diese Kleinräumigkeit sowie die entsprechende inhaltliche Tiefe sind die Grundvoraussetzung, dass politische Entscheidungen zur Stadtsteuerung fundiert und zielgerichtet getroffen werden können. Anders ausgedrückt: Eine funktionierende kommunale Selbstverwaltung ist auf valide Daten und somit die Statistik angewiesen!

Das weltweite statistische System zur Produktion hochwertiger, valider Daten

Slider 1

Statistikstelle Frankfurt

Quelle: Bürgeramt, Statistik und Wahlen 2025; © EuroGeographics bezüglich der Verwaltungsgrenzen 2025 (Daten verändert); © GeoBasis-DE / BKG 2025 (Daten verändert); Natural Earth 2025 (Daten verändert).

Auf europäischer Ebene – am 20. Oktober wird auch der jährliche europäische Statistiktag gefeiert – ist Eurostat aktiv, das wiederum von den nationalstaatlichen Einheiten, also z. B. in Deutschland dem Statistischen Bundesamt, Daten erhält. Darüber hinaus ist Frankfurt direkt in die Datenbereitstellung eingebunden, da die Stadt Mitglied in der europäischen Datensammlung Urban Audit ist.

Aber auch weltweit werden Daten zu allen Themen der globalen Gesellschaft gesammelt, nämlich bei der United Nations Statistics Division (UNSD). Mitglieder sind hier die nationalen Einheiten, für Deutschland also das Statistische Bundesamt. Aufgabe der UNSD ist es nicht nur, Daten zu sammeln, sondern darüber hinaus die Nationalstaaten beim Aufbau und dem Betrieb ihres statistischen Systems zu beraten sowie internationale Standards und Methoden zu schaffen. Hier schließt sich der Kreis, denn die kommunale Statistikstelle übernimmt diese Aufgaben für die Stadtverwaltung vor Ort und damit ganz nah an den Bürgerinnen und Bürgern.

Fußnoten

  1. FRANKFURT AM MAIN, 1868. Statistische Mittheilungen über den Civilstand der Stadt Frankfurt a. M. sowie der Gemeinden Bornheim, Oberrad, Niederrad, Hausen, Bonames und Niederursel im Jahre 1867. Frankfurt am Main.↩︎

  2. Eine kritische Auseinandersetzung mit der Rolle Flaskämpers und insbesondere der Statistik in der Zeit des Nationalsozialismus beschäftigt sich ein Beitrag in den Frankfurter Statistischen Berichten zur 150-Jahr-Feier (BAUER, Thomas, 2015. Die Stadt in Zahlen: Geschichte des Statistischen Amtes in Frankfurt am Main. In: Frankfurter Statistische Berichte. 2015, S. 2–51).↩︎

  3. Paul Flaskämper, 75 Jahre Statistisches Amt der Stadt des deutschen Handwerks. In: Städtisches Anzeigeblatt vom 19. Juli 1940. Das am 19. März 1935 von Flaskämper vorgelegte 50-seitige Positionspapier trägt den Titel: „Gutachten über die Ausgestaltung der Arbeiten des Statistischen Amtes”, MA 5733.↩︎

Frankfurt STATISTIK.AKTUELL teilen